100 Jahre Christoph-Steinmeyer-Schulgarten

Folge 5 -  Christoph-Steinmeyer-Schulgarten– illuminiert

von JürgenFuhrmeister

Den 100.Geburtstag feierte der Schulgarten am Räuscherweg zusammen mit der Düsseldorfer Bürgerstiftung DUSS-illuminated ®, die auf ihr 10jähriges Bestehen zurückblickt, mit einem eindrucksvollen Lichterschauspiel „Natur im Licht“. Der Förderverein historischer Schulgarten Räuscherweg e. V. hatte gemeinsam mit der Landeshauptstadt Düsseldorf die Düsseldorfer Bevölkerung zum 3. Oktober 2013 eingeladen, im Rahmen der 725-Jahr-Feier Düsseldorf den Schulgarten in einem anderen Licht zu sehen und zu erleben. Oberbürgermeister Dirk Elbers drückte gegen 20 Uhr nach einer kurzen Ansprache vor vielen Gästen den Startknopf, und mit einer kleinen Verzögerung erstrahlte der Garten in buntem Licht. Zugleich wurde der Turm der Friedhofskapelle des benachbarten Südfriedhofes angestrahlt. Diese Illumination soll als Dauereinrichtung bestehen bleiben als Geschenk der Bürgerstiftung DUSS-illuminated® an die Stadt. In einem durch 200 Ölfackeln, sowie Flammschalen und Teelichtern markierten Rundweg konnten die Besucher festlich illuminierte Bäume, Sträucher und ausgesuchte Orte bewundern. Lichtpunkte mit sphärischer entspannender Musik luden zum Innehalten ein. Besonders beeindruckend ein Trupp von 50 ausgehöhlten und von innen beleuchteten Kürbissen, mit denen die Kinder einer Düsseldorfer Grundschule, die den Namen Carl Sonnenscheins trägt, ein Hauch von Erntedank gespendet haben.

 

Auch an den beiden folgenden Abenden konnte das Lichterschauspiel zwischen 20 und 23 Uhr genossen werden. Viele Düsseldorfer nahmen die Gelegenheit wahr, den Schulgarten, der sonst nur angemeldeten Gruppen zugängig ist, selbst in Augenschein zu nehmen. Die Rheinische Post zählte an den drei Abenden 6.000 Besucher. Es ist wohl keinem (auch nicht den Stadtbediensteten bei Formulierung der Einladung) aufgefallen, dass nicht der Zentralschulgarten illuminiert wurde. Dieser hüllte sich in Dunkelheit. Das Lichterspektakulum erlebten die Besucher  gegenüber vom Zentralschulgarten im Christoph-Steinmeyer-Schulgarten,  der der Arbeitsschulgarten der Christoph-Steinmeyer-Schule war. Er wurde bis Ende der achtziger Jahre von Schülern dieser Schule und der Hauptschule Gotenstraße bestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gesamtkunstwerk aus Licht und Musik gestaltete der Förderverein  in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum(WDGZ). Das Unternehmen hatte zahlreiche Förderer: die Stadtwerke Düsseldorf, die Provinzial-Versicherung und das Atelier MICMAC aus dem Medienhafen, das bunt beleuchtete  Glaskugeln auf dem Hauptgang installierte. Als weitere Sponsoren sind die Stadtsparkasse und die Volksbank Düsseldorf Neuss, Firma Plein, Rheinbahn und Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine zu nennen.

 

In einer Presseankündigung des Lichterfestes dankte Schuldezernent Burkhard Hintzsche den Unterstützern und dem Förderverein Historischer Schulgarten: „Die Mitglieder des Fördervereins sind Motor und Seele des Zentralschulgartens. Deren ehrenamtliche Arbeit und die Unterstützung der Sponsoren sind ein vorbildliches Beispiel bürgerschaftlichen Engagements, das diese Lichtereignisse möglich macht.“

 

In einer Ausstellung auf dem Parkplatz konnten die Besucher sich einen Eindruck davon verschaffen, wieviel Menschen Christoph Steinmeyer für sein Projekt gewinnen konnte. An mehreren mobilen Stellwänden luden Fotografien aus alter und neuerer Zeit zum Verweilen ein. Beeindruckend die  hundert Jahre alten Bilder von Julius Söhn mit Atelier in der Kasernenstraße, dem ehemaligen Hoffotografen  des Hauses Hohenzollern und Sigmaringen. Sie zeigen u. a. junge Burschen mit Schaufeln in einer Schubladenkolonne beim Erschließen und Kultivieren des ehemaligen Schuttplatzes, Schüler beim Pflanzen von Obstbäumen und aus den 20er-Jahren die vollbesetzten Ränge der Freilichtbühne, die wohl über zweitausend Kindern Platzboten.

 

Mit dem Titel „100 Jahre Düsseldorfer Zentralschulgarten“ erschien eine reich illustrierte Festschrift, herausgegeben von Dr. Stefan Schweizer und Johanna Merta, die auch die Fotogalerie gestaltet hat. Der Herausgeber ist Juniorprofessor mit Schwerpunkt Europäische Gartenkunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität und Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schloss und Park Benrath, die neben der Bezirksvertretung 3 das Erscheinen der Schrift unterstützt hat. Ferner kommen der Zentralschulgarten, der Kleingärtnerverein „An der Freilichtbühne“ und der  Förderverein zu Wort.

 

Katja Benner betrachtet  in ihrem Beitrag „Ein beglückender Winkel in oft grauer Umgebung“ – Die Geschichte des Schulgartens die historische Entwicklung des Schulgartens als außerschulischen Lernort und als besondere Form den Zentralschulgarten, der die Schulen mit Pflanzen versorgt und die Lehrkräfte in den Schulen bei Gestaltung der schuleigenen Gärten unterstützt. Sie beschreitet den weiten Weg von Platon und Aristoteles im antiken Athen, die in den Gärten ihrer Akademien Vorlesungen hielten und Gespräche mit ihren Schülern führten, bis in die Zeit nach dem II.Weltkrieg und heute.  Klostergärten und Botanische Gärten an Universitäten und medizinische Lehrgärten, die Pädagogen und Philanthropen des 17. und 18. Jahrhunderts wie  Comenius,  Rousseau , Basedow, von Rochow, Salzmann, Pestalozzi und Fröbel, die ministeriellen Bemühungen um die Schaffung von Schulgärten an deutschen Schulen Ende des 19. Jahrhunderts sind Meilensteine auf diesem Weg.

 

Dr. Stefan Schweizer würdigte in seinem Beitrag Der Düsseldorfer Zentralschulgarten – eine einhundertjährige Geschichte das Werk Christoph Steinmeyers und seiner Nachfolger am Räuscherweg. Gegen Ende des19. Jahrhunderts überschwemmte das Land eine Flut von Publikationen zur Gestaltung von Schulgärten und eine Unzahl von amtlichen Bestimmungen z. B. für Lehrerseminare und Volksschulen, die sich auf den Gartenbau bzw. einzelne Zweige des Schulgartens beziehen. In vielen Städten wurden Musterschulgärten geschaffen, zumeist angebunden an Gartenbauausstellungen, oder betrieben unter Verwaltung der Schul- oder Gartenämter. Während fast überall probiert, geplant und noch debattiert wurde, ging in Düsseldorf Rektor Steinmeyer ans Werk und schuf für die Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Volksschule an der Aachener Straße den Arbeitsschulgarten, der von Anfang an funktionierte und zügig ausgebaut wurde. Zudem bestand er auch seine Bewährungsprobe, als er im I. Weltkrieg zur Versorgung der Bevölkerung beitrug und nach dem Krieg viel Not lindern half. Wir haben darüber in der Bilker Sternwarte 3 und 4/2013 berichtet.

 

Dr. Schweizer schildert ausführlich die historische Situation, in der Düsseldorf sich befand. Die Einwohnerzahl hatte sich von 1875 bis 1913 von 80.000 auf 402.000 Personen verfünffacht. Düsseldorf „war in dieser Phase zu einer Metropole mit florierender Industrie und prosperierendem Handel aufgestiegen.“Dennoch verschlechterten sich die Lebensverhältnisse zahlreicher Bevölkerungsteile in der Düsseldorfer Peripherie, z. B. in Rath, Lierenfeld und auch in Bilk. Dies habe zu einer Entfremdung der Menschen von der Natur geführt. Der Beitrag beschreibt die Gründungsphase 1913 bis 1918 und die Hochphase mit der Erweiterung  und der Gründung der Freilichtbühne. Besonders erfreulich ist es, dass die Verdienste des Mitstreiters und Geldgebers Walter Helmrich ausführlich herausgestellt werden. Bei den mir bekannten Autoren, die den Schulgarten am Räuscherweg zum Thema haben, ist dessen Name nur eine Randnotiz wert. Obwohl der Fabrikant Helmrich sein gesamtes Vermögen - zusammen über 250.000 Mark – beigesteuert hat, wurde er von Steinmeyer nicht als gleichberechtigt akzeptiert. (Siehe auch BilkerSternwarte 2/2013!)

 

(Aus: Die Bilker Sternwarte 6/2013,Zeitschrift der Bilker Heimatfreunde)

                     

 

 

 

 

 




 

 

 

 












 

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