100 Jahre Christoph-Steinmeyer-Schulgarten

Folge 1 - DerAnfang

Von JürgenFuhrmeister

 

Im Jahr 2013 wurde die Schulgartenanlage am Räuscherweg 100 Jahre alt. Die Stadt Düsseldorf und der Zentralschulgarten haben dieses Jubiläum angemessen gefeiert. Es war etwa ein Jahr vor dem großen Krieg, den wir heute den ersten Weltkrieg nennen, als Christoph Steinmeyer, der Rektor der Evangelischen Volksschule an der Aachener Straße, mit seinen Schülerinnen und Schülern auf 150 qm einer Müllkippe oder eines Schuttabladeplatzes (Die Chronisten sind sich darin nicht einig.) zwischen dem Südfriedhof und der Volmerswerther Straße den ersten Spatenstich getan hat. Das Gelände wurde ihm von der Stadt überlassen. An welchem Tag im Jahre 1913, ist nicht bekannt. 

 

Christoph Steinmeyer (1870 - 1930)

Christoph Steinmeyer sah in allen Kindern, auch in denen der Großstadt, den Drang zur Natur, wie es einem der Autoren (L.) des fast 4 kg schweren Sammelbandes „Düsseldorf“  von Hans Arthur Lux (Herausgeber) aus dem Jahre 1921/22 in der blumigen Sprache der Zeit aus der Feder floss: „Er muss nur gepflegt und erhalten werden. Und diese Pflege ließ sich Steinmeyer angelegen sein. Die Kinder sollen in die Natur hineinwachsen, sollen ihr ihre Geheimnisse ablauschen, sollen mit ihr leben und leiden; in fleißiger Arbeit sollen sie Kenntnisse in der Bewirtschaftung des Bodens erwerben und zu Siedlern werden.“ Mit ähnlichem Bild „Die Schule ein Garten – der Lehrer der Gärtner“ beginnt auch eine kleine Schrift „Der Schulgarten im Dienste der Erziehung und des Unterrichtes“ von Jos. Nießen, erschienen bei Schwann in Düsseldorf 1896 und in zweiter Auflage 1908. Die Schrift befasst sich u. a. mit vielen amtlichen Bestimmungen zur notwendigen Schaffung von Schulgärten. Der Autor aus Mettmann  beklagte sich im Vorwort der 1. Auflage darüber, dass in Deutschland in der Schulgartenfrage leider noch zu wenig geschehen ist. Im Vorwort der 2. Auflage zwölf Jahre später stellte er jedoch fest: „Die Schulgartenfrage ist bei uns in Deutschland dank den Bemühungen der Behörden und für das Gemeinwohl begeisterter Männer und Frauen, zahlreicher Schulgartenschriften  und aufklärender Artikel der pädagogischen Tagespresse recht in Fluß gekommen.“

 

Es war also eine Zeit des Aufbruchs für die Schulgärten, in der Christoph Steinmeyer ans Werk ging. In zahlreichen Elternabenden mussten die Eltern von dem Projekt überzeugt werden. Die Kinder der Schule an der Aachener Straße folgten ihm willig bis begeistert und machten mit ihrer Arbeitskraft den Platz urbar, der bisher Schuttabladeplatz der Müllabfuhr oder Objekt von Bodenspekulationen war. Schutt und Müll soll Steinmeyer als Bodenverbesserer geschätzt haben. Die Schüler gruben die Abfälle unter, bestellten die Beete, ernteten und verkauften schließlich den Ertrag. Mit viel Geld war das Unternehmen nicht gestartet. Durch die bescheidenen Einnahmen hatte man aber die Mittel, den Garten weiter auszubauen. Aus den 150 qm zu Anfang waren 1921 zehn und im zwölften Jahr 30 Morgen (das sind 18.750 qm) geworden. Diese konnten natürlich nicht nur gärtnerisch genutzt werden. Es wurden Lehrerkurse eingerichtet, eine Frauenakademie und gewerbliche Fortbildungsschule für Mädchen und ein Arbeitsschulseminar. Steinmeyers Motto: „Körperliche Arbeit vergeistigen, geistige Arbeit verkörperlichen.“  Man sah darin damals Anfänge zur vollkommenen Arbeitsschule. Hier in Form einer Gartenschule.

Rektor Steinmeyer mit seinen Schülern beim Anlegen einer Obstbaumallee

 

 

 

 

Steinmeyer mit Schülern vor Südfriedhofkapelle

 

 

 

 

Wenn man die Verdienste Christoph Steinmeyers um die Düsseldorfer Schulgärten, insbesondere um den Zentralschulgarten am Räuscherweg 40 und den gegenüber liegenden Christoph-Steinmeyer-Schulgarten würdigt, tut man das nur für einen Teil seiner Leistung. In einem Gutachten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Referat Denkmalpflege vom 16. Juni 1996 befindet sich ein undatierter Lageplan, der nur erahnen lässt, was Christoph Steinmeyer sonst noch schaffen wollte.  

 

 

 

Lageplan des ursprünglichen Konzeptes der Gesamtanlage des Schulgartens am Räuscherweg

 

Das  verplante Gelände dehnte sich in Höhe  Räuscherweg 40 (Schulgartenverwaltung) nach Osten etwa 230 m aus, nach Westen bis zum damals schon bestehenden Südfriedhof etwa 175 m. Im Süden grenzte es an Schrebergärten, im Norden verlief die Grenze in Höhe des Haupteingangs des Südfriedhofs. Den Südring gab es nach einem Stadtplan von 1923 noch nicht, nur eine Zufahrtsstraße, die am Südfriedhof endete. Das Gelände im Osten war bis zur Volmerswerther Straße unbebaut, und den späteren Verlauf der Norfer Straße kann man nur erahnen. Geplant waren neben dem Schulgarten zahlreiche andere Bildungsstätten: im Bereich des heutigen Zentralschulgartens ein Saalbau, auf dem Gelände des heutigen Christoph-Steinmeyer-Schulgartens die Freilichtbühne mit Sitzplätzen für 1.600 Erwachsene oder 2.000 bis 2.400 Kinder, dazu Lager, Werkstätte, Schauspielergarderobe und Erfrischungsraum, zwei Schulgebäude, je ein Knaben-, Mädchen- und Kinderheim und andere kleinere Gebäude wie die Kassenhäuschen am nördlichen Eingang. Würde man diesen Eingang durchschreiten, käme man auf das Freigelände, das heute den Kinderspielplatz und den lichten Park bis zum Südring ausmacht. Hier waren Botanischer Garten, Sportplatz und Freiluftschule geplant. Als Rahmen des Ganzen sollten 33 Doppelhäuser, im Lageplan Lehrerhäuser genannt, über drei Seiten das Gelände einrahmen, im Osten etwa auf der Linie der heutigen Norfer Straße. Mit etwas Phantasie kann man diese Pläne (auch ohne Legende) auf dem abgedruckten Plan ausmachen.

 

Es war ein gigantischer Plan, dessen Verwirklichung enorme Kosten verursacht hätte. Aus dem Erlös des Gartens konnten die benötigten Mittel auf keinen Fall aufgebracht werden. Und jetzt trat ein Mann auf den Plan, dessen Verdienste um den Schulgarten, kommt man auf Christoph Steinmeyer zu sprechen, nicht angemessen gewürdigt werden. 1917 trifft der visionäre Schulmann auf den wohlhabenden Fabrikanten Walter Helmrich. Ohne seine finanzielle Unterstützung und sein gestalterisches und organisatorisches Engagement wäre das gigantische Projekt wohl zum Scheitern verurteilt gewesen.  „Wie Werner Daniels bereits in den sechziger Jahren in der Bilker Sternwarte nachgewiesen hat, hat Helmrich eigentlich sein ganzes Leben für die Idee der Schulgärten gekämpft und viel zur Verwirklichung der Freilichtbühne beigetragen.“ Mit diesem Zitat aus der Rheinischen Post vom 4.8.1984 schließen wir diese Folge der „Bilker Adressen“, unter der wir in den nächsten Ausgaben der Bilker Sternwarte in lockerer Form bekannte Persönlichkeiten, die in Bilk gewohnt bzw. gewirkt haben, vorstellen. In Anbetracht des Schulgartenjubiläums sind die ersten Folgen 2013 dem Projekt Christoph Steinmeyers gewidmet. Die Urheber der drei Fotos waren trotz intensiver Nachforschungenleider nicht zu ermitteln.          

(Aus: Bilker Sternwarte 1/2013, Zeitschriftder Bilker Heimatfreunde)

 

Anmerkungen zu den Bildern und zum Lageplan:

Die alten Fotos stammen aus einem Nachlass und befinden sich im Besitz des Autors. Der Autor konnte den Urheber trotz intensiver Recherche nicht ausfindig machen.

Eines der beiden Diapositive trägt die Bezeichnung E. Liesegang". 

 

Der Lageplan war eine Anlage der gutachterlichen Stellungnahme der Gartendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland vom 16.10.1996.    

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 












 

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